Dänemark ist anders

16.12.2013

Wissenwertes über Handel und Kulturunterschiede in 10 Lektionen  (Teil 1/5)

Wissenswertes für eine erfolgreichen Zusammenarbeit mit Dänemark

Unser nördliches Nachbarland ist vielen in erster Linie als Urlaubsland bekannt. Dänemark hat aber mehr zu bieten als Sandstrände und rote Würstchen (røde pølser). Tatsächlich hat sich Dänemark in den letzten Jahrzehnten von einem recht rückständigen Agrarland in ein Land mit zukunftsweisender Hochtechnologie entwickelt, ohne die landwirtschaftliche Produktion zu vernachlässigen.

 

Die rechtlichen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Dänemark nehmen allein aufgrund der Angleichungen der Europäischen Union immer weiter ab. Trotz aller Übereinstimmungen bestehen jedoch nach wie vor einige markante Unterschiede, die zu erheblichen Verwerfungen zwischen Deutschen und Dänen führen können.

 

Um vermeidbare - oftmals ganz unbeabsichtigte - Fehler zu verhindern, sollen diese Unterschiede nachstehend näher beleuchtet werden. Außerdem sollen auch einige der zahlreichen kulturellen Unterschiede, deren Bedeutung für eine konfliktfreie Zusammenarbeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können, beschrieben werden.

 

1. Handel

Deutschland ist für Dänemark das weitaus wichtigste Absatzgebiet: um die 20% - mal mehr, mal weniger - des gesamten dänischen Warenexports geht nach Deutschland. Umgekehrt hat Dänemark mit seinen etwas über 5,4 Mio. Einwohnern natürlich bei weitem nicht die gleiche Bedeutung für Deutschland. Gleichwohl bietet Dänemark eine Reihe von häufig unterschätzten Exportmöglichkeiten.

 

Bei der Absicherung der Ausfuhr verlassen sich die meisten deutschen Unternehmen auf die ihnen geläufigen Sicherheiten, also in der Regel die Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts. Dabei wird zum einen übersehen, daß die hierzulande üblichen Formulierungen eines erweiterten Eigentumsvorbehalts (der gilt, bis sämtliche Verbindlichkeiten getilgt sind) oder eines verlängerten Eigentumsvorbehalts (der auch die Verarbeitung umfasst) in Dänemark schlicht unwirksam sind und von der Rechtsprechung nicht anerkannt werden. Zum anderen wird übersehen, daß der einfache Eigentumsvorbehalt zwar nach dänischem Recht durchaus wirksam vereinbart werden kann, wirksam allerdings nur für die Kaufvertragsparteien selbst, nicht für Dritte. Dies hat höchst unerfreuliche Folgen im Falle des Konkurses des dänischen Käufers, wenn sich die gelieferten Waren bereits in Dänemark befinden: Der dänische Konkursverwalter wird nämlich die Herausgabe der unbezahlten Ware verweigern, da der Eigentumsvorbehalt nach dänischem dinglichen Recht eben keine Drittwirkung entfaltet. Andere Länder, andere Sitten!

 

Um dies zu verhindern, müsste die Lieferung in ein vom Lager des Käufers gesondertes (Konsignations-)Lager vereinbart werden, dessen Bestand zumindest monatlich von einem unabhängigen Dritten überprüft werden müsste; dies ist ein Aufwand, der in der Regel nicht getrieben wird. Aus diesem Grund sind Exporteure gut beraten, auf anderweitige Sicherungen (z.B. Abschluß einer Warenkreditversicherung) auszuweichen.

 

Daneben sollte der potentielle Käufer und seine wirtschaftliche Stellung vor Vertragsabschluß sorgfältig untersucht werden. Dies ist in Dänemark einfacher und zuverlässiger möglich als in Deutschland.

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