Dänemark ist anders

16.12.2013

Wissenwertes über Handel und Kulturunterschiede in 10 Lektionen  (Teil 5/5)

9. Grundbesitz (speziell: Ferienhäuser)

Der Erwerb von Grundbesitz in Dänemark ist – entgegen weit verbreiteter Auffassung – grundsätzlich frei, unterliegt allerdings einigen Beschränkungen.

 

Gar kein Problem bereitet der Erwerb von Gewerbegrundstücken oder Mietshäusern zum Zweck der Vermietung. Diese Möglichkeit steht jedermann offen, auch Ausländern oder ausländischen Gesellschaften (die Einnahmen sind natürlich in Dänemark steuerpflichtig, aber das ist ein anderes Kapitel).

 

Der Erwerb einer Wohnung oder eines Hauses ansonsten ist mit der Auflage verknüpft, das Haus selbst zu bewohnen, da in der Regel eine persönliche Wohnverpflichtung ("bopælspligt") besteht. Zieht der Käufer nicht ein, wird ihm auferlegt (und notfalls zwangsweise durchgesetzt), die Wohnung oder das Haus in einer Frist von längstens einem Jahr zu verkaufen.

 

Ganz besondere Regelungen gibt es allerdings für die dänischen Sommerhäuser, die bei den deutschen Urlaubern so beliebt sind. Um zu verhindern, daß weite Landstriche insbesondere an der dänischen Nordseeküste im Sommer unbewohnt bleiben, ist der Verkauf von Sommerhäusern nur unter besonderen Voraussetzungen erlaubt. Dies ist aber nicht, wie weithin angenommen, an die Nationalität des Käufers geknüpft (dies wäre ja auch ganz offensichtlich EU-widrig), sondern daran, daß der Käufer zumindest fünf Jahre seines Lebens steuerpflichtig in Dänemark gewohnt hat. Mit anderen Worten: es steht jedem der Erwerb eines dänischen Sommerhauses frei, sobald er im dänischen Einwohnermelderegister ("folkeregister") fünf Jahre lang gemeldet war und in dieser Zeit seine Steuern abgeführt hat. Diese fünf Jahre müssen nicht einmal an einem Stück in Dänemark verbracht werden. Das Recht, ein Sommerhaus zu erwerben, bleibt auch bestehen, wenn man später seinen Wohnsitz in das Ausland verlegt. Mehr als zwei Sommerhäuser darf aber niemand besitzen. Diese Sonderregeln hat sich Dänemark als Ausnahmetatbestände im Maastrichtvertrag von den übrigen EU-Staaten bestätigen lassen. Es ist nicht abzusehen, daß diese Regeln geändert werden. Alle Umgehungsversuche (Kauf eines Sommerhauses durch eine Kapitalgesellschaft, langfristige Mietverträge etc.) werden durch das dänische Sommerhausgesetz effektiv unterbunden.

 

10. Ehrlichkeit und persönlicher Umgang miteinander

Aus deutscher Sicht mag man bei so wenig Förmlichkeit wie beim Grundstückskauf befürchten, daß dadurch dem Betrug Tür und Tor geöffnet werden. Ein Däne wird da eher verwundert mit dem Kopf schütteln und erklären, daß man so etwas doch nicht mache. In der Tat gibt es nur ganz selten einen in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren systematischen Schwindel oder Fälschungen, die das System eigentlich ermöglichen würde.

 

Dänemark ist nicht nur einer der Spitzenreiter in der fehlenden Anfälligkeit für Bestechlichkeit (2011 an zweiter Stelle mit 9,4 von 10 möglichen Punkten, gegenüber 8,0 für Deutschland an Platz 14, vgl. www.transparency.org), sondern insgesamt geprägt von der Grundhaltung, mit dem Gegenüber und Geschäftspartner ehrlich umzugehen. Dies mag damit zusammenhängen, daß Dänemark eben ein vergleichsweise kleines Land ist, in dem man sich kennt, und ein Betrüger nicht lange sein Unwesen treiben könnte. Dieses Grundvertrauen bringen Dänen in der Regel mit, wenn sie im Ausland handeln, und nicht selten machen sie dann sehr rasch höchst negative Erfahrungen. Fast jeder Däne kann Geschichten berichten, die, wenn nicht ihm selbst, dann doch einem Nachbarn oder Freund widerfahren sind und illustrieren, wie die dänische Gutgläubigkeit von Deutschen ausgenutzt wurde.

 

In der Tat ist es nicht selten vorgekommen, daß sich Dänen auf mündliche Vereinbarungen verlassen haben, an die sich ihr deutscher Vertragspartner später vor Gericht beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte, oder der Deutsche auf die klein gedruckten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) auf der Rückseite des Vertrags verweisen konnte, die der Däne nicht einmal wahrgenommen hat. Dies hat dazu geführt, daß sich viele Dänen als "dumme Dänen" apostrophiert sehen, was wiederum im Verhältnis zu Deutschen nicht selten zu einer Übervorsicht geführt hat. Sie befürchten, daß der deutsche Geschäftspartner sie übervorteilen könnte und verzichten lieber auf einen Vertragsabschluß, als weitere schlechte Erfahrungen mit deutschen Vertragspartnern zu sammeln.

 

Für den Umgang mit Dänen ist es generell wichtig zu wissen, daß die zukünftigen Vertragspartner nicht nur über die Vertragsbedingungen einig werden sollten, sondern auch persönliches Vertrauen in die wechselseitige Zuverlässigkeit entstehen lassen. Aber bedenken Sie, wenn Sie ihr dänischer Gesprächspartner gleich im ersten Gespräch duzt, daß das nicht zugleich bedeutet, daß er meint, in Ihnen einen Freund fürs Leben gefunden zu haben. Das Duzen bedeutet für Dänen – nichts. Gesiezt wird in Dänemark nur die Königin, sehr alte und respektable Personen oder in förmlichen Anwaltsschreiben. Es würde keinem Dänen einfallen, einen Polizisten oder andere Autoritäten, und sei es auch ein Minister, zu siezen. Das trägt insgesamt zu einem sehr entspannten Umgang miteinander bei, bei dem der Gesprächspartner ernst genommen wird, egal, welche Position und hierarchische Stellung er innehaben sollte. Deutsche machen mitunter kuriose Fehler und ziehen aus persönlichen Gesten, die in Dänemark selbstverständlich sind, falsche Schlußfolgerungen: Der Däne, der einem anderen Dänen in einer Besprechung Kaffee einschenkt, bringt damit nicht zum Ausdruck, daß er ein Untergebener ist; es bricht einem dänischen Chef keinen Zacken aus der Krone, einen Mitarbeiter zu bedienen.

 

Alles in allem: Den kulturellen Unterschieden sollte mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, wie den rechtlichen und wirtschaftlichen. Nur dann wird ein deutsch-dänisches Vorhaben langfristig Erfolg haben können. Wenn Sie mögen, wollen wir Sie dabei gerne unterstützen!

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