Der Nordwesten der USA

Fotografien von / Photographs by Dr. Johannes Klages
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Der Nordwesten der USA

Eine “Family Reunion” in Lewistown im Herzen Montanas war Anlaß für eine Reise, die uns zunächst nach Seattle in den äußersten Nordwesten der USA führte. Von dort fuhren wir mit dem Auto Richtung Osten durch die Bundesstaaten Washington, Idaho, Montana und schließlich nach Wyoming.

Die abgebildeten Fotos können nur einen kleinen Ausschnitt der Reiseeindrücke widerspiegeln. Die Landschaft ist grandios und vielfältig. Seattle ist eine überschaubare, am Wasser gelegene Großstadt in hügeliger Landschaft (wobei die Hügel in Gestalt etwa des Mount Rainier durchaus beeindruckende Ausmaße annehmen können). Was fällt dem Europäer, der das erste Mal hier und in den USA überhaupt ist, auf: Es gibt im Straßenbild kaum Taxis und nur selten einen Fahrradfahrer zu sehen – was natürlich damit zu tun hat, daß jedermann ein Auto hat und dieses auch ausgiebig benutzt. Benzin ist nach wie vor billig in den USA, und bequeme und schnelle Bahnverbindungen gibt es nicht.

Hat man die Cascade-Range, eine Bergkette, die sich östlich von Seattle in Nord-Süd-Richtung erstreckt, überquert, kommt man in eine weite Ebene, in der sich Getreidefelder und Highways in alle Richtungen erstrecken, so weit das Auge reicht. Die Luft ist heiß, aber trocken – richtig angenehm nach einem verregneten Hamburger Frühsommer.

Der Bundesstaat Idaho ist in seinem Norden rasch durchquert, und die imposante Bergkette der Rocky Mountains mit dem Glacier National Park, schon in Montana an der Grenze zu Kanada gelegen, kommt immer näher. Der Glacier National Park gehört ebenso wie der Yellowstone Park in Wyoming zu den zahlreichen Nationalparks in den USA mit einzigartiger Natur. Bei der Einfahrt zahlt man einen Eintritt von 10 $ (Yellowstone 20 $) pro Fahrzeug und kann sich dafür eine Woche lang im Park aufhalten. Wer nicht im voraus eine Unterkunft in einer Lodge oder einen Platz auf einem Campingplatz reserviert hat, muß freilich damit rechnen, nicht am gewünschten Ort übernachten zu können. Sämtliche Unterkünfte sind aber vernetzt, und die überaus hilfsbereiten Mitarbeiter bemühen sich, dem Gast weiterzuhelfen und eine Reservierung an einem anderen Ort vorzunehmen.

Durch den Glacier National Park führt eine viel befahrene Panoramastraße, auf der viele Touristen unterwegs sind. Viele beschränken sich darauf, die Landschaft aus dem klimatisierten Auto heraus zu genießen und mit der Videokamera durch die Windschutzscheibe hindurch ihre Eindrücke festzuhalten, andere steigen an den View Points aus, um ein Panaromabild zu knipsen, und nur sehr wenige unternehmen Wanderungen auf den gut markierten Trails. Das zu tun lohnt sich wirklich – nur wenige Schritte abseits der Fahrstraße kann der Wanderer Natur pur und eine grandiose Bergwelt erleben, die gelegentlich an eine Alpenlandschaft oder die Bergwelt Norwegens erinnert. Ein besonderer Nervenkitzel ist hier allerdings die Ungewißheit, ob die Grizzly-Bären, die es hier zahlreich geben soll, tatsächlich den Wanderer hören, lange bevor sie ihn sehen, und sich davonmachen.

Nachdem man den Glacier National Park und die Rocky Mountains auf der Ostseite verlassen hat, erstreckt sich wiederum eine weite, baumlose und trockene Landschaft gen Osten. Hin und wieder führt die überwiegend schnurgerade Straße durch eine Ortschaft, die aus wenigen verstreuten Häusern und einigen Silos neben der einspurigen Eisenbahnstrecke besteht, und die Fahrer entgegenkommender Fahrzeuge heben die Hand zum Gruß, als ob sie wie selbstverständlich davon ausgehen, daß ihnen hier nur ein Bekannter begegnen kann. Wie könnte es auch anders sein: Montana hat eine Bevölkerungsdichte von 2,1 Einwohnern pro Quadratkilometer, in Deutschland sind es 230 Einwohner/Quadratkilometer, und insgesamt leben in Montana, dessen Fläche etwas größer ist als die Fläche Deutschlands, 800.000 Einwohner – in Deutschland sind es mehr als 100mal so viele!

Der Yellowstone National Park liegt mit seiner nordöstlichen Ecke in Montana, überwiegend aber in Wyoming. Hier erinnern allenfalls die heißen Quellen und dampfenden Geysire an eine Landschaft, die man meint, schon einmal gesehen zu haben, nämlich Island. Die Bisonherde, die friedlich grasend an einer Schwefelquelle vorbeizieht, bringt aber gleich wieder ins Bewußtsein, daß man in einem anderen Teil der Welt ist.

Die USA sind ein außerordentlich angenehmes Reiseland. Der Verkehr fließt ohne Hektik dahin. Nach zwei Wochen und 2.000 Kilometern Autofahrt stellt man erstaunt fest, daß man in dieser Zeit niemanden, dem es vielleicht nicht schnell genug voran ging, hat hupen hören. Die Speedcontrol ist hier eine sinnvolle Einrichtung, und wer weiß, vielleicht wird der Autopilot für Autos auch noch erfunden.

Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Mag sein, daß Hilfsbereitschaft gegenüber den Kunden für das Personal in einem Restaurant oder Supermarkt arbeitsvertragliche Pflicht darstellt – der Besucher fühlt sich jedenfalls wohl, wenn er allenortes mit einem “How are you doing today?” und einem Lächeln begrüßt wird.


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